Hinter der Zukunft – Leseprobe 2

Nachdem das Wahlalter auf 12 Jahre gesenkt wurde und zudem die Stimmen mit dem CO2-Budget gewichtet wurden, brachte die Wahl ein überraschendes Ergebnis. Robin fand sich plötzlich in einer neuen, ungewohnten Position wieder. Zum Glück hatte seinen besten Freund, Victor, als Berater anheuern können, der ihm die Lasten des neuen Alltages ein wenig abnimmt…

Hinter der Zukunft

Robin und Victor

Da war er nun also, im Zentrum der Macht. Robin drehte sich einmal hin und her. Er stand mitten in seinem Büro, jetzt war es tatsächlich sein Büro! …

… einige würden sich noch wundern in nächster Zeit. Von den Alten traute ihm den Job sowieso keiner zu, das war ihm vollkommen klar. Aber die Jungen! Die standen alle hinter ihm. Die sahen sich jeden Stream an, den er sendete, und wenn er ab und zu noch Zeit hatte zu gamen und live war, dann brach fast das Netz zusammen, weil alle dabei sein wollten. Sehr, sehr genial.

«Victor!»

Er wartete einen Moment, doch nichts geschah.

«Victor!»

Ach ja, hier war ja alles schallisoliert. Er ging zum Schreibtisch und drückte auf einen Knopf: «Victor, wenn du einen winzigen Moment Zeit hättest, deinen Arsch hier reinzubewegen!»

Damit platzierte er sich auf seinem noblen Schreibtischstuhl und ging in Pose: einen Arm vor der Brust, den anderen darauf aufgestützt und die Hand leicht am Kinn. Die Tür öffnete sich und sein bester Freund und inzwischen hochdotierter Spezialberater trat ein.

«Seid gegrüßt, oh Meister. Was ist Euer Begehr?»

«Victor, die Anrede gefällt mir. Ich werde deine Hinrichtung noch ein wenig aufschieben.»

Lachend gingen beide aufeinander zu, hoben die rechte Hand und schlugen kräftig ein. Victor hatte als wichtiger Sonderberater ebenfalls eine Wohnung im Regierungsviertel erhalten. Natürlich etwas kleiner, nur 120 Quadratmeter groß, und nicht so zentral gelegen. Zu den 80 qm, die er bisher mit seinen Eltern und seiner Schwester bewohnt hatte, war es allerdings eine beachtliche Steigerung.

«Robin, ich hatte keine Ahnung, wie man hier im Viertel so wohnt, überkrass! Und wir können alles kaufen, was wir wollen, ohne dass es uns einen einzigen Coint kostet, Hammer!»

Robin nickte begeistert. Das Regierungsviertel war neu errichtet worden, es erstreckte sich über einen guten Teil des ehemaligen Tierparks, der Fläche zwischen Brandenburger Tor und der Goldelse, wie die Berliner liebevoll die Siegessäule nannten. Die Bürger hatten – aus Gründen der Sicherheit und des Infektionsschutzes – keinen Zutritt in das Viertel.

«Echt cool, ja. Ich muss nicht einmal selbst einkaufen, das mache ich mit einer App und zwei Stunden später ist alles bei mir und eingeräumt. Wie im Wunderland oder wie das Ding heißt.»

«Schlaraffenland, meinst du? Es gibt Restaurants an jeder Ecke und sogar ein Steakhouse! Checkst du das? Ein Steakhouse mit echten Steaks aus Fleisch. Da geh ich jetzt jeden Abend hin, glaub ich. Im Supermarkt haben sie Bananen und exotische Früchte, die hatte ich schon fast vergessen. Und Kuhmilch, gib dir das! Es ist, wie wenn wir in der großen Lotterie einen Hauptgewinn gezogen hätte.»