Hinter der Zukunft – Leseprobe 3

Robin Hochwaldt, der Protagonist des Romanes, wird ins kalte Wasser des „Politik-Games“ geworfen, wie er es nennt. Was er dringend benötigt sind einige Spielregeln. Zum Glück findet sich jemand, der sich seiner annimmt. Carla Baudis, eine Person, mit welcher er am allerwenigsten gerechnet hätte. Nach und nach weiht sie ihn in Geheimnisse ein, die nie für seinesgleichen bestimmt waren…

Hinter der Zukunft

Was soll gerettet werden?

«Na ja, denke an Regel eins: Sorge stets für existenzielle Furcht und Angst. Nur, wenn man daran glaubt, dass alles demnächst untergeht, dann ergibt die ganze Retterei einen Sinn. Doch in Wahrheit muss nur eine einzige Sache gerettet werden, und die ist absolut machbar, liegt nicht in ferner Zukunft und ist für alle erkennbar: die Bewahrung einer lebenswerten Umwelt.»

«Die Bewahrung einer lebenswerten Umwelt?», echote er. «Davon habe ich nie etwas gehört.»

«Unser Planet kann von uns niemals vernichtet werden, das Einzige was wir in Gefahr bringen können, ist unser eigenes Überleben. Es geht also immer um die Menschheit. Die Erde hat schon viele extreme Situationen durchgemacht: Meteoriteneinschläge, Polumkehr, riesige Vulkanausbrüche, Eiszeiten, mehrfach die Auslöschung von über 90% allen Lebens … Egal was die Menschen also veranstalten, nach 10 Millionen Jahren wird keiner etwas davon bemerken. Und die Erde hat noch mindestens 3.000 Millionen Jahre vor sich.

Wenn also jemand erzählt, er möchte den Planeten retten, dann sag ihm doch ganz freundlich: ›Du kannst höchstens gute Lebensbedingungen für uns Menschen retten‹. Was für uns natürlich das Allerwichtigste ist.

Aber es könnte auch ein wenig egoistisch klingen, deshalb ist es viel ehrenvoller, ›Mutter Erde‹ oder ›Gaia‹ zu retten. Dies ist tatsächlich ein wesentlicher moralischer Unterschied. Denn wenn ich für ›Mutter Erde‹ kämpfe, dann kämpfe ich selbstlos für etwas absolut Gutes. Kein Mensch würde auf die Idee kommen den Einsatz für ›Mutter Erde‹ negativ zu bewerten.

Nun zum Kampf um den Erhalt einer für uns Menschen lebenswerten Umwelt. Den ich persönlich auch für äußerst wichtig und notwendig halte. Um diese Anstrengung uneingeschränkt gut zu finden, ist es notwendig, den Menschen selbst, die Menschheit gut zu finden. Denn nur dann ›verdient‹ sie es, für immer in einer lebenswerten Welt zu leben. Was aber, wenn man die Menschen für gar nicht so gut, vielleicht sogar für böse und zerstörerisch hält? Denke an Regel drei: Jeder hat Schuld, da er von Natur aus böse und sündig ist. Ist dann die Rettung einer für den Menschen lebenswerten Erde noch immer ein vollkommen gutes Ziel? Oder schwingt nicht auch ein Gedanke mit wie ›wenn es den Menschen nicht mehr gäbe, würde es der ganzen Erde besser gehen?‹ oder ›die Erde hat einen Virus. Er heißt Mensch‹?

Die gute Mutter Erde retten oder die Menschheit? Was wählst du selbst? Der Planet muss gerettet werden – vor den Menschen! Idealisierung einerseits und Verurteilung andererseits, es ist klar, wie die Geschworenen urteilen werden! Doch wie kann das sein? Wie können wir gegen uns selbst urteilen? Sind wir wirklich so schlecht? Und was genau meint hier das Wörtchen ›wir‹? In Wirklichkeit ist es die größte Lüge von allen.